KI, Kurse und kollektive Erwartungen – warum der Markt gerade leise gefährlich wird!

KI, Kurse und kollektive Erwartungen – warum der Markt gerade leise gefährlich wird!

Es gibt Marktphasen, in denen Panik laut ist.
Und es gibt Phasen, in denen Risiko leise wächst.

Wir befinden uns aktuell klar in der zweiten Kategorie.

Der Vergleich zwischen dem heutigen KI-Boom und der Dotcom-Blase wird von vielen Investoren reflexartig zurückgewiesen. Zu oft, so das Argument, wurde in der Vergangenheit „Blase“ gerufen – und zu oft lag man damit falsch. Doch genau dieser Abwehrreflex ist Teil des Problems.

Denn wer genau hinsieht, erkennt: Die gefährlichsten Parallelen liegen nicht in den Schlagzeilen, sondern in der Marktstruktur.


Nicht Euphorie ist das Warnsignal – sondern Konzentration

Der Markt ist aktuell nicht breit euphorisch. Im Gegenteil: Ein großer Teil der Aktien tritt auf der Stelle oder fällt. Gleichzeitig tragen wenige, KI-nahe Titel einen überproportionalen Teil der Indexperformance.

Das Muster ist bekannt:
Wenn Kapital nicht mehr den Markt sucht, sondern nur noch eine Geschichte, wird der Markt fragil.

1999 war es das Internet.
Heute ist es Künstliche Intelligenz.

Der technologische Fortschritt ist real – die Preisbildung drumherum zunehmend einseitig.


Bewertungen sind kein Problem – Erwartungen schon

Hohe Bewertungen allein machen keine Blase.
Sie werden dann gefährlich, wenn sie keinen Fehler mehr erlauben.

Der Markt preist derzeit ein Szenario ein, in dem KI gleichzeitig:

  • massive Produktivitätsgewinne liefert,

  • schnell profitabel wird,

  • und dauerhaft hohe Margen erzeugt.

Das kann eintreten.
Es muss aber eintreten – sonst stimmt die Rechnung nicht.

Genau hier liegt die Parallele zur Dotcom-Zeit: Nicht die Technologie scheiterte, sondern die zeitliche Erwartung an ihre Monetarisierung.


Der „Schaufelverkäufer“-Effekt ist kein Schutzschild

Oft wird argumentiert, dass man heute nicht in verlustreiche Start-ups investiert, sondern in profitable Infrastruktur-Anbieter wie Chip-Hersteller oder Cloud-Player. Das stimmt – und ist ein realer Unterschied zur Jahrtausendwende.

Aber auch damals verdienten die Schaufelverkäufer.
Cisco war hochprofitabel, marktbeherrschend und technologisch unverzichtbar – und dennoch folgte ein Kursverlust von über 80 %.

Das Risiko liegt nicht im Geschäftsmodell, sondern in der Bewertung im Verhältnis zur Zukunft.


Warum sich das Risiko nicht im Crash ankündigt

Wer auf einen plötzlichen Einbruch wartet, übersieht das eigentliche Signal. Märkte kippen selten aus Euphorie – sie kippen aus Enttäuschung.

Aktuell sehen wir:

  • steigende Volatilität im Tech-Segment,

  • schwächere Marktbreite,

  • defensive Positionierung abseits der KI-Gewinner.

Das ist kein Krisenszenario.
Aber es ist auch kein entspanntes Umfeld mehr.


Cashfloh-Einordnung

Dieser Markt ist nicht „zu teuer“.
Er ist zu eng gedacht.

Solange KI die Erwartungen erfüllt, kann das Spiel weitergehen.
Je stärker sich jedoch alles auf wenige Titel und eine einzige Zukunftserzählung konzentriert, desto größer wird das Risiko, dass kleine Enttäuschungen große Wirkungen entfalten.

Nicht morgen.
Nicht zwangsläufig dramatisch.
Aber strukturell.


Fazit

Die größte Gefahr für Anleger ist aktuell nicht ein Crash – sondern die Gewissheit, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

Technologischer Fortschritt bleibt.
Bewertungen und Narrative ändern sich.

Wer das im Blick behält, muss weder euphorisch noch panisch sein – sondern aufmerksam.